Chronik



Blasmusik in der Pfarrkirche


Die Anfänge der Blasmusik reichen auch in Pischelsdorf in das 18. Jahrhundert zurück. Neben den Aufführungen auf der Orgelempore in der Kirche, kann das Auftreten der Bläser vor allem auch bei Prozessionen beobachtet werden.

 

Im Jahre 1799 erhielt die Pfarrkirche Pischelsdorf gleichsam als Abschluss der barocken Neueinrichtung der Kirche eine neue große Orgel. Wie aus dem Kircheninventar von 1808 hervorgeht, wurde damals neben Orgel- und Chormusik nur Blasmusik betrieben. Außer der Orgel gab es noch vier Trompeten, zwei Waldhörner und ein Paar Pauken.

 

Für die Gründung von Blasmusikkapellen war neben der kirchlichen Musikpraxis die Militärmusik von großer Bedeutung, wenngleich das örtliche Musizieren natürlich dem kirchlichen Bereich entspringt.


In der unmittelbaren Umgebung von Pischelsdorf kam es im Jahre 1883 zur Gründung des Militärveteranenvereines St. Johann bei Herberstein, deren siebzig Gründungsmitglieder aus den Pfarren St. Johann bei Herberstein, Kaindorf, Großsteinbach, Waltersdorf, Pischelsdorf und Stubenberg kamen. Ein Jahr später, 1884, begann Franz König aus Hinteregg bei Pöllau mit der Gründung einer k.k. Veteranenkapelle, die mit Musikern aus den Pfarren St. Johann, Stubenberg, Pischelsdorf und Kaindorf zusammengestellt wurde. Da es aber in den Pfarrorten, aus denen die Musiker kamen, keine eigenen Musikkapelle gab, sollte überall, gleichmäßig pro Jahr verteilt, aufgespielt werden. Dabei kam es aber bald zu Unstimmigkeiten. Großsteinbach stellte 1885 bereits seine eigene Musikkapelle auf. Das benachbarte Pfarrdorf Puch b. Weiz erhielt 1866 eine eigene Musikkapelle.


Bei der Kaiserfeier im Dezember 1908 waren auch die Musiker aus Pischelsdorf nicht mehr in St. Johann erschienen. Die Veteranenkapelle St. Johann bestand nur mehr aus 15 Mann.


Die Gründung der Marktmusikkapelle Pischelsdorf

Foto der Gründerkapelle


Am 1. Oktober 1906 trat Engelbert Salmhofer das Organistenamt an der Pfarrkirche Pischelsdorf an. Mit ihm stand nun ein junger, engagierter Musiker zur Verfügung, der sehr bald auch die Grundlage für eine Marktmusikkapelle legen sollte.

 

Schon im Jahr 1907 kam es im benachbarten Romatschachen zu Gründung einer Feuerwehrkapelle, die von Schirnhofer aus Hirnsdorf Notenmaterial und Unterweisung erhalten hatte. Es handelte sich dabei vornehmlich um eine Bauernkapelle, d. h. ihr Musizieren vor allem der Unterhaltung der Bevölkerung im herkömmlichen Sinne gewidmet.

 

Im Jahre 1908 wurde von Mitgliedern des Veteranenvereines St. Johann b. H., die aus der Pfarre Pischelsdorf kamen, beschlossen, eine eigene Militärveteranenkapelle zu gründen. In diesem Jahr kam es auch zur Gründung des Militärveteranenvereines in Pischelsdorf. Das Haus Kobermichl diente bis 1938 als Probenlokal für die Pischelsdorfer Musiker.

 

Nach einem Jahr Lernzeit war es Engelbert Salmhofer bereits möglich, mit 15 bis 20 Mann an Ausrückungen zu denken. In dieser verhältnismäßig kurzen Zeit war es gelungen, einige Märsche zu erlernen, vor allem aber in der Kirche mitzuwirken. Salmhofer setzte seine Musiker natürlich auch bei seinen Orchestermessen ein. Das wohlklingende Auftreten der jungen Pischelsdorfer Marktmusik veranlasste die Musiker aus Romatschachen, sich der Pischelsdorfer Marktmusik anzuschließen, womit Verstärkung und Bereicherung erzielt werden konnte. So war es in der Folge möglich, dass einzelne Musiker mehrere Instrumente und Stimmlagen beherrschten und daher je nach Bedarf einzelnen Stimmgruppen zugeteilt werden konnten.

 

Einer der Höhepunkte des Wirkens der ersten Marktmusikkapelle von Pischelsdorf war das Gründungsfest des Militärveteranenvereines Pischelsdorf, welches am 6. August 1911 unter der Beteiligung von allen Vereinen der Umgebung und insgesamt vier Musikkapellen stattfand.

 

Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges und der Einberufung aller fronttauglichen Männer endete in wenigen Monaten der geordnete Musikbetrieb. Dass von den Musikkameraden der ersten Stunde etliche nicht mehr nach Hause kommen sollten, wurde wenige Jahre später zur traurigen Tatsache.

 

 

1919: Ein neuer Anfang ...

 

Ende April 1919 erging an alle Bewohner der Gemeinden innerhalb der Pfarre Pischelsdorf ein Rundschreiben, in dem gebeten wurde, dass sich alle Musiker mit ihren Instrumenten am 1. Mai 1919 um 19.00 Uhr im Gasthaus Schaffler (heute Karl Maier) einfinden mögen, um die Neugründung der Marktmusikkapelle Pischelsdorf durchzuführen. Dieser Einladung folgten rund 30 Musiker, die zum Teil auch aus Gleisdorf und St. Johann bei Herberstein kamen, weil es dort noch keine Musikkapelle seit Kriegsende gab. Diese abendliche Stunde des 1. Mai 1919 kann als zweite Geburtsstunde der Pischelsdorfer Marktmusik angesehen werden. Als Kapellmeister fungierte bis 1926 der Organist Josef Pongratz. Von 1926 bis 1938 wirkte der Landwirt Franz Wilfling verdienstvoll als Kapellmeister. Wilfling war nicht als Organist tätig. Dies hatte zur Folge, dass die Kirchenmusik im Rahmen der Musikkapelle ziemlich rasch aufgegeben wurde.

 

 

Die Jungsteirerkapelle

 

In die Zeit nach 1925 fällt auch der Beginn der musikalischen Tätigkeit vor allem der Gersdorfer Jungmänner, die sich sehr bald zu einer Musikkapelle formierten. Im Jahre 1928 nahmen sich Kaplan Rosenauer und Organist Bambeck dieser jungen Musiker an und gründeten mit ihnen die Jungsteirerkapelle. Da sich im Besitz der Kirche noch einige Blasmusikinstrumente befanden, übernahm der Organist Bambeck mit Unterstützung des Dechants eine eigene Musikkapelle, die vornehmlich kirchlichen Zwecken zu dienen hatte. Dafür wurden vor allem jugendliche Kräfte herangezogen, darunter viele Musiker aus Gersdorf.

 

Die Tatsache einer zweiten Musikkapelle sollte sehr bald zur Polarisierung im Musikleben führen. Zu Fronleichnam des Jahres 1929 rückten die jungen Musiker als Jungsteirerkapelle erstmals öffentlich aus, worauf die "alten" Musiker nicht mehr aufspielen wollten.

 

Innerhalb der Jungsteirerkapelle kam es bald zum Problem in Bezug auf die Aufführung von Tanzmusik, denn der Dechant wollte lediglich die Aufführung von Kirchenmusik dulden, da der Großteil der Instrumente in kirchlichem Besitz war. Ein Sommerfest wurde unter Androhung des Entzuges der Musikinstrumente untersagt, später aber doch erlaubt. Kapellmeister und Organist Bambeck setzte in der Folge alles daran, um eine Vereinigung der beiden Musikkapellen zu erreichen. In einer Hauptversammlung sollte die alte Marktmusikkapelle ihren bisherigen Kapellmeister Franz Wilfling abwählen und Bambeck das Vertrauen für eine vereinigte Musikkapelle übergeben. Dazu kam es aber nicht, und Franz Wilfling rückte mit seiner Musikkapelle weiterhin genauso aus, wie die Jungsteirerkapelle bestehen blieb. Organist Bambeck ging 1930 nach Frohnleiten, die Jungsteirerkapelle leitete in der Folge Alois Hofer aus Neudorf.

 

Im Jahre 1938 kam es schließlich doch zur Vereinigung der beiden Musikkapellen. Nach knapp zehn Jahren getrennter Musiktätigkeit stand wieder ein Klangkörper, die Marktmusikkapelle Pischelsdorf, zur Verfügung. Wenige Monate ungetrübten Musizierens war Pischelsdorf vergönnt, als am weltpolitischen Horizont wieder dunkle Wolken des Krieges und der Vernichtung aufzogen. Nach und nach rückten Musiker in den Kriegsdienst ein. Während des Zweiten Weltkrieges gab es vereinzelte Auftritte von Blasmusikern in der Pfarrkirche unter der Leitung von Hermann Puntschuh.

 

 

Die Marktmusikkapelle seit 1945

 

Kapellmeister Alois Hofer, der schon seit 1938 die Marktmusikkapelle geleitet hatte, führte seine Tätigkeit auch nach 1945 weiter. Trotz kriegsbedingter Verluste konnte sehr bald wieder eine Musikkapelle zusammengestellt werden.

 

Die Feier des 40-jährigen Bestandes der Marktmusikkapelle im Jahre 1948 - die Unterbrechungen im Musikbetrieb waren ja nur kriegsbedingt - wurde zu einem überzeugenden Beweis für den Fortbestand der Kapelle. Noch in der Zeit vor 1952 traf man sich bereits zu ersten Wertungsspielen, so z.B. im Markt Anger 1949.

 

 



40 Jahr Feier

Im Jahre 1952 gelang es, die Marktmusikkapelle einheitlich einzukleiden. Die graue Uniform war jener der Gendarmerie sehr ähnlich und wurde in den frühen sechziger Jahren nochmals erneuert. Ein besonderes Ereignis war das Bezirksmusikertreffen am 29. Juni 1952 in Pischelsdorf, wo eine große Anzahl von Musikkapellen aus dem Bezirk Weiz und der Nachbarbezirke Hartberg und Fürstenfeld anwesend waren. Im Rahmen dieser Feier wurden auch langjährige Musiker der Marktmusikkapelle geehrt.


Die Zeit unter Kapellmeister Anton Pichler

 

 

 

 

 

Anton Pichler -

verdienstvoller Kapellmeister

von 1956 - 1977

Im Jahre 1956 übernahm Anton Pichler aus Neudorf die Stelle des Kapellmeisters der Marktmusikkapelle Pischelsdorf. Volle 21 Jahre sollte er verdienstvoll der Musikkapelle vorstehen. Viele Jungmusiker, die auch gegenwärtig noch mitwirken, verdanken ihm das musikalische Rüstzeug, da Anton Pichler in der Lage war, alle Musikinstrumente für die Blasmusikkapellen zu unterrichten. Als besonderes Ereignis ist die Feier des 50-jährigen Gründungsfestes am 29. Juni 1958 zu erwähnen. Zusätzlich zur Musikarbeit in Pischelsdorf wirkte Anton Pichler zwischen 1959 und 1964 am Aufbau der Musikkapelle St. Johann bei Herberstein als Musiklehrer und Kapellmeister entscheidend mit. Gerade in den ersten Jahren brachte er immer wieder Verstärkung aus "seiner" Pischelsdorfer Marktkapelle mit.


Der Zustand der Musikinstrumente erschien um 1965 bereits sehr problematisch. Manche Instrumente waren bereits bis zu 60 Jahre alt und infolge des Alters derart abgenützt und schadhaft, dass eine weitere Benützung nicht mehr möglich war. Im November 1965 war für Anton Pichler der Zustand nicht mehr tragbar. Er wandte sich an alle öffentlichen Institutionen der Pfarre, da er sich nicht mehr in der Lage sähe, mit dem gegenwärtigen Instrumentarium weiter auszurücken.


Schon am 4. Juli 1966 wurde im Rahmen eines Gartenfestes die Instrumentenweihe festlich begangen. Die großzügige Unterstützung der Bürgermeister, der Vereine und Gewerbetreibenden wurde entsprechend gewürdigt. Dem festlichen Tag wohnten die Musikkapellen Ebersdorf, Großsteinbach, Weiz, Puch bei Weiz und Arzberg bei.


Zu den weiteren Höhepunkten zählt zweifellos die 925-Jahr-Feier von Pischelsdorf im Jahre 1968. Für die Marktmusikkapelle war dies zudem ein zweifacher Grund zum Feiern. Einerseits konnte die Feier des 60-jährigen Bestandes der Musikkapelle begangen werden, andererseits gelang es, zu diesem Anlass eine neue Einkleidung der Musiker zu erwirken. Dr. Gundl Holaubek-Lawatsch und Titus Lantos entwarfen eine erneuerte Oststeirertracht.


Anton Pichler wirkte noch bis 1977 als Kapellmeister, ehe er altersbedingt sein Amt weitergab, aber dennoch weitere zwei Jahre als Musiker mitwirkte. Eine plötzliche Erkrankung verhinderte seine musikalische Tätigkeit. Sein Nachfolger wurde Willibald Kulmer aus Siegersdorf, der als sein Schüler die Musiktätigkeit erfolgreich weiterführt.

 

Willi Kulmer war ebenfalls 21 Jahre mit "Fleisch und Blut" Kapellmeister. Die Marktmusikkapelle mauserte sich in dieser Zeit zu einer Oberstufenkapelle heraus, die bei einigen Wertungsspielen großartige Erfolge erzielen konnte. Außerdem gelang es, viele abgenützte Instrumente durch neue zu ersetzen.



Die Marktmusikkapelle zur Jahrtausendwende


Im Jahr 1998 wurde Willi Kulmer von seinem Sohn Wolfgang Kulmer als Kapellmeister abgelöst - wirkt aber als Flügelhornist weiterhin noch in unserem Verein mit.


1998 wurde überhaupt der ganze Vorstand "verjüngt". Neben dem neuen Kapellmeister Wolfgang Kulmer, wurden auch Helmut Kahlbacher und Ewald Pirchheim als Obmänner und Karl-Heinz Winkler als Kassier neu gewählt.

 

Als Folge des Erfolges und der Begeisterung vieler junger Musiker wuchs die Marktmusikkapelle und unser Probelokal in der Volksschule wurde immer enger und kleiner. In Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Pischelsdorf war es uns schließlich möglich, den Traum eines neuen Musikerheimes zu verwirklichen. Finanziell wurden wir von den Gemeinden der Pfarre Pischelsdorf, dem Land Steiermark sowie dem Blasmusikverband unterstützt, setzten aber auch etliche Stunden an Eigenleistung um. Stolz bezogen wir im August 2000 unser neues Heim.

 

Im Jahr 2003 trat die Marktmusikkapelle Pischelsdorf das erste Mal bei einem Wertungsspiel in der Kunststufe an und konnte einen hervorragenden Ausgezeichneten Erfolg erreichen. Dem Landesverband war dies Grund genug, uns im Jahr darauf, 2004, als Vertretung für das Land Steiermark nach Velenje in Slowenien zu einem internationalen Konzertwertungsspiel zu schicken. Dort eroberten wir in der Kunststufe eine Silber-Plakette.

 

In den Jahren 2005 und 2006 ging die Marktmusikkapelle auf Konzertreisen. Einmal nach Telfs in Tirol, zur dortig beheimateten Kapelle, mit welcher noch immer guter Kontakt besteht, und zum Anderen nach Babice in Polen, zur Partnergemeinde der Marktgemeinde Pischelsdorf.



Verleihung des Steirischen Panthers und des Robert Stolz Preises


Als Beweis für den musikalischen Erfolg erhielt die MMK in den Jahren 2005 und 2007 zweimal den steirischen Panther und einmal den Robert-Stolz-Preis vom Landeshauptmann verliehen. Beweis genug, dass wir mit Energie und Ehrgeiz, aber auch mit viel Freude musizieren.



100 Jahre Marktmusikkapelle Pischelsdorf


Im Jahr 2008 feierte die Marktmusikkapelle ihr 100-jähriges Jubiläum. Das wurde mit vielen verschiedenen Aktivitäten und Festlichkeiten gebührend gefeiert:

einer Vernissage und Ausstellung, einer CD-Produktion, einem Journal, welches 4mal im Jahr erschien und mit einem großen Jubiläumsfest und Musikertreffen am 20. und 21. September, zu welchem Musikvereine aus dem eigenen als auch aus umliegenden Bezirken kamen.

 

Neben den traditionellen Auftritten wird ein großes Augenmerk auf die Jugendarbeit, auf das alljährliche Wunschkonzert sowie seit 2011 auch auf das Frühjahrskonzert „Urbanus beschwingt Musikus“ bei dem die Winzer der Region ihre Weine präsentieren, gelegt.

 

Derzeit sind 79 aktive Musikerinnen und Musiker (davon 31 weibliche und

48 männliche) bei der Marktmusikkapelle Pischelsdorf.



Die Musikerinnen und Musiker der Marktmusikkapelle Pischelsdorf